Diese Arbeit untersucht die Überschneidungen zwischen Hate Speech und physischer Gewalt im Hinblick auf Identitätskonstruktionen. Im Mittelpunkt steht das Incel-Phänomen, eine große Online-Community von Männern, die sich als „unfreiwillig zölibatär“ bezeichnen und Hassrede sowie Gewalt zu zentralen Bestandteilen ihrer Weltsicht machen. Analysiert werden die Fälle von Stephan Balliet, dem Täter des Anschlags von Halle (2019), und Antonio De Marco, der 2020 seine ehemaligen Mitbewohner in Lecce ermordete. Beide Subjekte bewegen sich, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß und mit unterschiedlicher Bewusstheit, innerhalb der Incel-Hassrede. Ziel der Analyse ist es, zu untersuchen, wie sich die Identität und die individuelle Praxis der beiden Subjekte ausbilden und wie diese Konstruktionen auf kollektive Praxen der Incel-Community einwirken. Aus dieser Perspektive werden die Fälle von Stephan Balliet und Antonio De Marco als Beispiele der jeweiligen nationalen Kontexte verstanden und ermöglichen einen Vergleich zwischen Deutschland und Italien. Die Analyse entfaltet sich auf zwei unterschiedlichen Ebenen, die eng miteinander verknüpft sind: Einerseits die Ebene der Selbstdarstellung der beiden Subjekte, andererseits die Ebene der Darstellung durch die Incel-Community. In beiden Fällen richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Rolle der Gewalt als identitätsstiftendes Element. Die Arbeit verortet sich im Rahmen der Critical Discourse Analysis und stützt sich auf theoretische Instrumente wie das soziosemiotische Inventar von van Leeuwen, die Transitivitätsanalyse nach Halliday sowie die Analyse von Modalität und Hedging expressions. Für den Fall Balliet werden Auszüge aus seinem Manifest sowie Aussagen aus dem Livestream des Anschlags untersucht; auf der Ebene der kollektiven Repräsentation wird ein Korpus von 17 Threads aus dem Forum incels.is analysiert. Im Fall De Marco konzentriert sich die Analyse auf Auszüge aus seinem Tagebuch und einer von ihm verfassten Erzählung, die durch ein Korpus von 16 Threads aus dem italienischen Incel-Forum Il Forum dei Brutti ergänzt werden. Die Analyse zeigt, dass sich beide Subjekte als Opfer eines als feindlich und ungerecht wahrgenommenen Systems darstellen und abstrakte Ursachen dafür verantwortlich machen. Während Balliet diese Viktimisierung in einen stark ideologisierten Diskurs einbettet, entwickelt De Marco ein intimeres Narrativ, das sich auf den Mangel an Liebe und den Neid auf das Glück anderer konzentriert. Auf der Ebene der Darstellung der Incel-Community treten zweideutige Dynamiken von Ein- und Ausschluss hervor. Die Incel-Community erkennt beide als potenziell repräsentative Figuren, unterzieht sie jedoch zugleich Prozessen der Lächerlichmachung, Pathologisierung und Distanzierung, insbesondere im Hinblick auf den Ausgang der Gewalttaten. Die Arbeit zeigt schließlich, dass Gewalt nicht nur gerechtfertigt wird, sondern ein generatives Element der Incel-Identität ist: Durch die Gewalttat erlangt das marginalisierte Subjekt Sichtbarkeit, Anerkennung und eine symbolische Position innerhalb der Community. In diesem Sinne sind Gewalt und Hate Speech keine bloßen Nebenprodukte der Incel-Ideologie, sondern strukturelle Bestandteile, die sowohl für die Subjektkonstitution, als auch für den gemeinschaftlichen Zusammenhalt funktional sind.

In questa tesi si analizzano le intersezioni tra discorso d’odio e violenza fisica sul piano della costruzione identitaria. Nello specifico, si prendono in esame due casi strettamente legati all’universo incel, ovvero a una comunità online composta da uomini che si autodefiniscono celibi involontari e che fanno del discorso d’odio e della violenza elementi centrali della propria visione del mondo. I due casi analizzati sono Stephan Balliet, autore dell’attentato di Halle (2019), e Antonio De Marco, responsabile del duplice omicidio di Lecce (2020). Entrambi i soggetti si collocano, seppur con modalità e livelli di consapevolezza differenti, all’interno discorso d’odio incel. L’obiettivo dell’analisi è indagare i processi attraverso cui si costruiscono l’identità e le pratiche individuali dei due soggetti e come tali costruzioni influiscano sulle pratiche collettive della comunità incel. In questa prospettiva, i casi di Stephan Balliet e Antonio De Marco vengono assunti come esempi emblematici dei rispettivi contesti nazionali, permettendo una comparazione tra Germania e Italia. L’analisi si articola su due piani distinti ma fortemente interconnessi: da un lato il piano dell’autorappresentazione dei due soggetti, dall’altro quello della rappresentazione operata dalla comunità incel. In entrambi i casi, l’attenzione è rivolta al ruolo della violenza come dispositivo identitario. Il lavoro si colloca all’interno della cornice della Critical Discourse Analysis e si avvale di strumenti teorici quali l’inventario sociosemantico di van Leeuwen, l’analisi della transitività di Halliday, nonché lo studio della modalità e della mitigazione. Per il caso di Balliet vengono analizzati alcuni estratti del suo manifesto e delle dichiarazioni rilasciate durante la livestream dell’attentato; sul piano della rappresentazione collettiva viene esaminato un corpus di 17 threads tratti dal forum incels.is. Per quanto riguarda De Marco, l’analisi si concentra su alcuni estratti del suo diario e del racconto di fantasia da lui scritto, per poi estendersi a un corpus di 16 threads pubblicati sul forum incel italiano Il Forum dei Brutti. L’analisi mette in evidenza come entrambi i soggetti si autorappresentino come vittime di un sistema percepito come ostile e ingiusto, individuando in entità astratte le cause della propria esclusione. Tuttavia, mentre Balliet articola questa vittimizzazione all’interno di un discorso fortemente ideologizzato, De Marco costruisce una narrazione più intima, incentrata sulla mancanza di amore e sull’invidia della felicità altrui. Sul piano dell'etero-rappresentazione emergono dinamiche ambivalenti di inclusione ed esclusione. La comunità incel riconosce entrambi come figure potenzialmente rappresentative, ma al contempo li sottopone a processi di ridicolizzazione, patologizzazione e distanziamento, soprattutto in relazione all’esito della violenza. La tesi evidenzia come la violenza non sia soltanto giustificata, ma venga concepita come elemento generativo dell’identità incel: è attraverso l’atto violento che il soggetto marginalizzato acquisisce visibilità, riconoscimento e una posizione simbolica all’interno del gruppo. In questo senso, la violenza e l’hate speech non costituiscono meri effetti collaterali dell’ideologia incel, ma ne rappresentano componenti strutturali, funzionali alla costruzione del soggetto e alla coesione comunitaria.

Discorso d'odio e costruzione dell'identità incel: una comparazione tra Germania e Italia

LESSMANN, ALICE
2024/2025

Abstract

Diese Arbeit untersucht die Überschneidungen zwischen Hate Speech und physischer Gewalt im Hinblick auf Identitätskonstruktionen. Im Mittelpunkt steht das Incel-Phänomen, eine große Online-Community von Männern, die sich als „unfreiwillig zölibatär“ bezeichnen und Hassrede sowie Gewalt zu zentralen Bestandteilen ihrer Weltsicht machen. Analysiert werden die Fälle von Stephan Balliet, dem Täter des Anschlags von Halle (2019), und Antonio De Marco, der 2020 seine ehemaligen Mitbewohner in Lecce ermordete. Beide Subjekte bewegen sich, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß und mit unterschiedlicher Bewusstheit, innerhalb der Incel-Hassrede. Ziel der Analyse ist es, zu untersuchen, wie sich die Identität und die individuelle Praxis der beiden Subjekte ausbilden und wie diese Konstruktionen auf kollektive Praxen der Incel-Community einwirken. Aus dieser Perspektive werden die Fälle von Stephan Balliet und Antonio De Marco als Beispiele der jeweiligen nationalen Kontexte verstanden und ermöglichen einen Vergleich zwischen Deutschland und Italien. Die Analyse entfaltet sich auf zwei unterschiedlichen Ebenen, die eng miteinander verknüpft sind: Einerseits die Ebene der Selbstdarstellung der beiden Subjekte, andererseits die Ebene der Darstellung durch die Incel-Community. In beiden Fällen richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Rolle der Gewalt als identitätsstiftendes Element. Die Arbeit verortet sich im Rahmen der Critical Discourse Analysis und stützt sich auf theoretische Instrumente wie das soziosemiotische Inventar von van Leeuwen, die Transitivitätsanalyse nach Halliday sowie die Analyse von Modalität und Hedging expressions. Für den Fall Balliet werden Auszüge aus seinem Manifest sowie Aussagen aus dem Livestream des Anschlags untersucht; auf der Ebene der kollektiven Repräsentation wird ein Korpus von 17 Threads aus dem Forum incels.is analysiert. Im Fall De Marco konzentriert sich die Analyse auf Auszüge aus seinem Tagebuch und einer von ihm verfassten Erzählung, die durch ein Korpus von 16 Threads aus dem italienischen Incel-Forum Il Forum dei Brutti ergänzt werden. Die Analyse zeigt, dass sich beide Subjekte als Opfer eines als feindlich und ungerecht wahrgenommenen Systems darstellen und abstrakte Ursachen dafür verantwortlich machen. Während Balliet diese Viktimisierung in einen stark ideologisierten Diskurs einbettet, entwickelt De Marco ein intimeres Narrativ, das sich auf den Mangel an Liebe und den Neid auf das Glück anderer konzentriert. Auf der Ebene der Darstellung der Incel-Community treten zweideutige Dynamiken von Ein- und Ausschluss hervor. Die Incel-Community erkennt beide als potenziell repräsentative Figuren, unterzieht sie jedoch zugleich Prozessen der Lächerlichmachung, Pathologisierung und Distanzierung, insbesondere im Hinblick auf den Ausgang der Gewalttaten. Die Arbeit zeigt schließlich, dass Gewalt nicht nur gerechtfertigt wird, sondern ein generatives Element der Incel-Identität ist: Durch die Gewalttat erlangt das marginalisierte Subjekt Sichtbarkeit, Anerkennung und eine symbolische Position innerhalb der Community. In diesem Sinne sind Gewalt und Hate Speech keine bloßen Nebenprodukte der Incel-Ideologie, sondern strukturelle Bestandteile, die sowohl für die Subjektkonstitution, als auch für den gemeinschaftlichen Zusammenhalt funktional sind.
2024
In questa tesi si analizzano le intersezioni tra discorso d’odio e violenza fisica sul piano della costruzione identitaria. Nello specifico, si prendono in esame due casi strettamente legati all’universo incel, ovvero a una comunità online composta da uomini che si autodefiniscono celibi involontari e che fanno del discorso d’odio e della violenza elementi centrali della propria visione del mondo. I due casi analizzati sono Stephan Balliet, autore dell’attentato di Halle (2019), e Antonio De Marco, responsabile del duplice omicidio di Lecce (2020). Entrambi i soggetti si collocano, seppur con modalità e livelli di consapevolezza differenti, all’interno discorso d’odio incel. L’obiettivo dell’analisi è indagare i processi attraverso cui si costruiscono l’identità e le pratiche individuali dei due soggetti e come tali costruzioni influiscano sulle pratiche collettive della comunità incel. In questa prospettiva, i casi di Stephan Balliet e Antonio De Marco vengono assunti come esempi emblematici dei rispettivi contesti nazionali, permettendo una comparazione tra Germania e Italia. L’analisi si articola su due piani distinti ma fortemente interconnessi: da un lato il piano dell’autorappresentazione dei due soggetti, dall’altro quello della rappresentazione operata dalla comunità incel. In entrambi i casi, l’attenzione è rivolta al ruolo della violenza come dispositivo identitario. Il lavoro si colloca all’interno della cornice della Critical Discourse Analysis e si avvale di strumenti teorici quali l’inventario sociosemantico di van Leeuwen, l’analisi della transitività di Halliday, nonché lo studio della modalità e della mitigazione. Per il caso di Balliet vengono analizzati alcuni estratti del suo manifesto e delle dichiarazioni rilasciate durante la livestream dell’attentato; sul piano della rappresentazione collettiva viene esaminato un corpus di 17 threads tratti dal forum incels.is. Per quanto riguarda De Marco, l’analisi si concentra su alcuni estratti del suo diario e del racconto di fantasia da lui scritto, per poi estendersi a un corpus di 16 threads pubblicati sul forum incel italiano Il Forum dei Brutti. L’analisi mette in evidenza come entrambi i soggetti si autorappresentino come vittime di un sistema percepito come ostile e ingiusto, individuando in entità astratte le cause della propria esclusione. Tuttavia, mentre Balliet articola questa vittimizzazione all’interno di un discorso fortemente ideologizzato, De Marco costruisce una narrazione più intima, incentrata sulla mancanza di amore e sull’invidia della felicità altrui. Sul piano dell'etero-rappresentazione emergono dinamiche ambivalenti di inclusione ed esclusione. La comunità incel riconosce entrambi come figure potenzialmente rappresentative, ma al contempo li sottopone a processi di ridicolizzazione, patologizzazione e distanziamento, soprattutto in relazione all’esito della violenza. La tesi evidenzia come la violenza non sia soltanto giustificata, ma venga concepita come elemento generativo dell’identità incel: è attraverso l’atto violento che il soggetto marginalizzato acquisisce visibilità, riconoscimento e una posizione simbolica all’interno del gruppo. In questo senso, la violenza e l’hate speech non costituiscono meri effetti collaterali dell’ideologia incel, ma ne rappresentano componenti strutturali, funzionali alla costruzione del soggetto e alla coesione comunitaria.
Incel
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Identità
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